Ökumenischer Festgottesdienst mit Albanimahl

Das neue Pfabü zum Thema "Wozu brauchen wir Gott" ist erschienen

10.02.2015

Editorial

Der Lifestyle hat das Fasten, ein Phänomen eindeutig religiösen Ursprungs, für sich entdeckt. Die von teuren Wellness-Tempeln angebotenen Heilfastenkuren sollen gestressten Zeitgenossen das Gefühl einer neuen «Leichtigkeit des Seins» vermitteln.

Im Christentum hat das Fasten eine lange Tradition. Ein zweitägiges Trauerfasten am Karfreitag und Karsamstag ist in der Kirche seit frühester Zeit bezeugt. Später wurde es auf die gesamte Karwoche ausgedehnt. Bis Anfang des fünften Jahrhunderts hatte sich überall das 40-tägige vorösterliche Bussfasten durchgesetzt: eine Busszeit für öffentliche Sünder und gleichzeitig eine Vorbereitungszeit der Katechumenen auf die Taufe, die damals nur in der Osternacht gespendet wurde. Die symbolische Zahl 40 erinnert an das 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste, an die 40 Jahre, die das Volk Israel durch die Wüste zog, an die 40 Tage, die Moses auf dem Berg Sinai in der Gegenwart Gottes verbrachte, an Jona und Elia usw.

Dass der Verzicht auf Nahrung oder bestimmte Speisen, selbst ohne religiöse Motivation, der Gesundheit förderlich sein kann, ist bekannt. Der Kirchen- lehrer Basilius d. Gr. schrieb im vierten Jahrhundert: «Fasten ist eine Mutter der Gesundheit für die Kranken, für die Gesunden aber die Erhalterin des Wohl befindens ... Die erfahrensten Ärzte entfernen das Überflüssige durch Fasten, damit nicht die Kraft unter der Last der Wohlbeleibtheit zusammenbricht.» Fasten, vernünftig und mit Mass praktiziert, dient der Regulierung der ge samten Lebensweise.

Augustinus sieht einen direkten Zusammenhang zwischen dem «Verzicht auf die Freuden des Fleisches» und der «Erhebung des Geistes». Fastenkuren schaffen Raum für höhere Bedürfnisse. Menschen von heute, die sich regel mässig Fastenzeiten auferlegen, berichten von Energieschüben, von Hoch- und Glücksgefühlen, die in ihnen freigesetzt würden.

Fasten wirkt befreiend für Leib und Seele. Specken wir, dem Zeittrend folgend, in der Fastenzeit Überflüssiges ab, entschlacken wir Körper und Geist! In der Pfarrei kennen wir die Tradition des «Fastenessens» in Form eines Suppen-zmittags. Dazu sind alle am 15. März ins Pfarreiheim ein- geladen. Neben dem Verzicht auf Essen gibt es andere Weisen, um die Bereitschaft zu Umkehr und Busse zu bezeugen. So ruft das Hungertuch in der Kirche das Motto der Fastenopfer-Aktion ins Gedächtnis: «Weniger für uns. Genug für alle».

Werfen wir Ballast ab, teilen wir solidarisch das Brot mit den Bedürftigen! So gewinnen wir eine neue «Leichtigkeit des Seins».

Für die Redaktion
Otto Dudle

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