Ökumenischer Festgottesdienst mit Albanimahl

Das neue Pfabü zum Thema "Menschenrechte" ist erschienen

25.06.2015

Editorial

Im Streitgespräch, das ich vor einem Jahr im «Landboten» mit dem Freidenker und Mitglied der Piratenpartei Marc Wäckerlin «über Wahrheit, Glauben und den Rest» – so der Titel in der Zeitung – führen durfte und das am Samstag vor Pfingsten erschienen ist (7. Juni 2014, S. 4), redeten wir auch über die Bedeutung des Menschen.

In dem Interview gebe ich zu, dass ich manchmal arge Glaubenszweifel habe. Zurück zum Glauben holt mich dann immer, habe ich gesagt, «Das Bewusstsein für die allgemeine unantastbare Würde des Menschen. Diese lässt sich nicht aus seiner materiellen Herkunft erklären. Sie beruht auf dem Schöpfungsglauben…».

Wäckerlin entgegnete: «Die Würde des Menschen ist eine Entwicklung der letzten zweihundert Jahre. Sie ist ein logisches Produkt unserer Kultur. Die Würde haben wir Menschen geschaffen. Die Erklärung der Menschenrechte ist nicht aus der Bibel entstanden. Die haben sich die Menschen gegeben.»

Inwiefern hat der Freidenker mit seinen Behauptungen Recht? Es stimmt, dass der Begriff «Würde des Menschen» in der Aufklärung vor etwa zweihundert Jahre aufgekommen ist. Es ist wahr, dass sich die Menschenrechtscharta zuerst gegen den Widerstand der Kirchen durchgesetzt hat. Es trifft zu, dass es der Mensch selbst ist, der seine Würde für sich proklamiert und die Menschenrechte formuliert.

Aber damit ist nur erklärt, wie der Begriff «Menschenwürde» und wie die Idee der Menschenrechte entstanden sind. Viel tiefer geht die Frage: Warum ist die Forderung nach Respektierung der Menschenwürde und nach Einhaltung der Menschenrechte berechtigt?

Man kann diese Frage als unbeantwortbar offen lassen. Aber sicher reicht zur Begründung von Menschenwürde und Menschenrechten unsere evolutive Abstammung nicht. Wir tragen ein Bewusstsein in uns, das sich menschheitsgeschichtlich immer mehr entfaltet hat, dass jedes einzelne Menschenkind etwas unbedingt Wertvolles ist und einen absoluten Wert darstellt. Und dies Bewusstsein führt uns zur gläubigen Annahme des Geschaffen-Seins nach dem Ebenbild und als Abglanz des erstursächlichen Verursachers unserer Existenz. Nur als Geschöpfe, nicht als Zellhaufen, können wir Menschenwürde und daraus sich ergebende Menschenrechte beanspruchen.

Für die Redaktion
Hugo Gehring

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